Klassenstufen 5-6
In den „Mittelgruppen“ lernen die Kinder der Klassenstufen 5 und 6 miteinander. Diese Jahrgänge fungieren als wichtiges Bindeglied zwischen der auslaufenden Phase der Kindheit und der beginnenden Pubertät. Ziel ist es, einen sanften Übergang in die neuen Lernformate der Sekundarstufe zu schaffen sowie die Schülerinnen und Schüler noch stärker zur Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu befähigen. In den Mittelgruppen werden Basiskompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen, den Fremdsprachen sowie im naturwissenschaftlichen, kulturellen und sozialen Bereich stabilisiert und erweitert.
Der Schulalltag in unserer Montessori-Schule ist vielfältig, kindgerecht und von einem ganzheitlichen Bildungsverständnis geprägt. Neben den klassischen Unterrichtsinhalten legen wir großen Wert auf kreative, soziale und sprachliche Förderung. Die Kinder lernen in einem strukturierten, aber flexiblen Tagesablauf – mit Raum für individuelles Arbeiten, gemeinsames Erleben und gezielte Förderung.
Unsere Lern- und Unterrichtsformate
Epochenunterricht
In den Mittelgruppen erleben die Aktiv-Schüler erstmalig den Epochenunterricht, der das Herzstück ihres Lernens bildet. Sie tauchen in spannende, fächerübergreifende Themen ein, forschen selbstständig und arbeiten gemeinsam an Projekten. Exkursionen, Expertenbesuche und kreative Aufgaben machen das Lernen lebendig und fördern sowohl fachliche als auch persönliche Fähigkeiten. Im Epochenunterricht lernen alle Schüler eines Jahrgangs gemeinsam in sechs Wochenstunden an einem Thema, das sich über eine längere Zeit erstreckt und fächerübergreifende Inhalte in sich birgt. Der Lehrplan der Fächer Geschichte, Geographie, Mensch-Natur-Technik und Medienbildung/Informatik ist vollständig in die einzelnen Epochenthemen während eines Schuljahres eingewebt. Taktgeber der einzelnen Themen sind die historischen Epochen der Menschheitsgeschichte. Im 5. und 6. Schuljahr geht es vor allem darum, anhand vielfältiger Inhalte das selbstständige Lernen im Epochenunterricht zu fördern, die Dokumentation und Reflexion einzuüben, Lernstrategien zu entwickeln und den Willen zum selbstständigen Arbeiten zu schulen.
Uns ist das fachliche Voranschreiten unserer Schüler genauso wichtig, wie ihre Persönlichkeitsentwicklung. Aus diesem Grund ist in allen Epochenstunden eine sozialpädagogische Epochenbegleitung als wichtigste Bezugsperson dabei, die das Herz und Ohr der Lerngruppe bildet und diese im Normalfall bis zur Klassestufe 10 eng begleitet. Epochenstunden sind außerdem stets mit einer Fachlehrkraft der einzelnen Fächer zweitbesetzt.
Sogenannte „Pensenlisten“ mit Pflicht- und Wahlaufgaben zu einem Thema geben den Schülern einen Lernpfad vor, innerhalb dessen sie sich die Reihenfolge, ihre Lernpartner und die Arbeitsform (digital oder analog) frei wählen können. In einer „Anpiekstunde“ werden die Kinder auf die neuen Themen eingestimmt und ihre Neugier geweckt. Durch Gespräche, kleine Aufgaben oder Geschichten wird ein erster Zugang geschaffen und das Thema in einen größeren Zusammenhang gestellt. In den folgenden Wochen arbeiten sie dann an Materialien in einer vorbereiteten Umgebung, recherchieren selbst zum Thema, gehen auf Exkursionen, führen Expertengespräche oder arbeiten gemeinsam mit einer Fachlehrkraft in einer Kontaktstunde. Der Epochenabschluss am Ende ist immer ein Höhepunkt, bei dem die Arbeitsergebnisse präsentiert und besprochen werden. Rückmeldung erhalten die Kinder nach einem Epochenblock in Form von Zertifikaten und schriftlichen Einschätzungen.
In Klassenstufe 5 ist eine Studienfahrt an die Nordsee Bestandteil des Epochenunterrichts. In Klassenstufe 6 ist die Herausforderung integriert.
Überblick Epochen-Themen
Klassenstufe 5
I Steinzeit: Einführung / Quellen / Nahrung / Kindheit / Licht / Mensch / Welt / Lebensraum / Deutschland / Steinzeitforscher
II Ägypten: Hochkulturen / Wasser / Gesundheit / Tourismus / Studienfahrt Nordsee / Ägyptenforscher
Klassenstufe 6
I Griechenland: Vegetation / Atlas / Europa / Die Alten Griechen / Wetter & Klima
II Rom: Die Alten Römer / Wirtschaft / Verkehr / Berge & Vulkane / Antikeforscher
III Frühmittelalter: Stadt / Herausforderung / Bevölkerung / Energie
Freiarbeit
Die altersgemischten Stammgruppen (Capella, Sirius, Polaris und Antares) bilden in neun Wochenstunden weiterhin das Herzstück der Organisation des Schulalltages. Die Stammgruppenräume sind modern und altersgerecht gestaltet und bieten ganz verschiedene Möglichkeiten zum Lernen. Hier findet wie gewohnt die „Freiarbeit“ statt, in der die Schüler gemeinsam den Tag beginnen. Die Stammgruppenleitung begleitet die Kinder hier zusammen mit einer pädagogischen Fachkraft nicht nur in Fachinhalten von v.a. Deutsch und Mathematik, sondern in allen schulischen und zwischenmenschlichen Lebenslagen.
Herausforderung
Wer wachsen will, braucht echte Herausforderungen. Mit etwa 12 Jahren endet in der Montessoripädagogik die Kindheit. Das ist bei uns also im Übergang der Jahrgangsstufen 6 und 7.
Bevor unsere Sechstklässler nach den Sommerferien an unserer Schule zu Jugendlichen werden, stellen sie sich einer ganz besonderen Herausforderung. In einer Gruppe, die sie nicht selbst gewählt haben, gilt es aus einem Umkreis von 50 km innerhalb von drei Tagen zu Fuß zurück zur Schule zu finden. Dabei bleiben die Handys zuhause und alles muss geteilt werden.
Unsere Erfurter Schwesterschule praktiziert diese ganz besondere Art des Lernens schon äußerst erfolgreich seit über zehn Jahren. Dieser Tradition wollen wir uns in Emleben daher von Herzen gern aufgreifen und schicken unsere ersten Sechstklässler im Mai 2026 auf Herausforderung.
In drei Vorbereitungstagen organisieren die Schüler ihre Herausforderung selbst. Mit der Vorgabe eines sehr schmalen Budgets und der Himmelsrichtung, gilt es nun viele Aufgaben zu erledigen: die Route gemeinsam festzulegen, für die Hinfahrt zum Startort Fahrkarten zu organisieren, Übernachtungen zu überlegen, sich im Umgang mit Karte und Kompass zu üben, eine Packliste zu erstellen, einen Elternbrief zu schreiben, gemeinsam für die Tage einzukaufen und einen kleinen Erste-Hilfe-Kurs zu absolvieren. Für all das steht ein Begleiter mit Rat und Tat zur Seite, ohne aber Entscheidungen der Gruppe eigenmächtig zu verändern. An den Tagen unterwegs darf die erwachsene Begleitung nicht eingreifen, muss alle Entscheidungen still ertragen und jeden Umweg ebenfalls gehen. Auch für unsere Kollegen also eine Herausforderung der besonderen Art.
Wenn am Freitag dann das Schulgelände unter Jubel der Kleinen und Großen von den Herausgeforderten betreten wird, sind sie ganz sicher ein großes Stück gewachsen und haben Abenteuer erlebt, von denen manch einer vielleicht noch seinen Enkeln erzählt. Die Schüler präsentieren in der Folgewoche ihre Erlebnisse in einem Jahrgangselternabend. Und in der nächsten Zeit beginnt der ein oder andere vielleicht bereits mit ersten Überlegungen für die nächste Herausforderung im 8. Schuljahr.
FREI DAY
Der FREI DAY ist ein Lernformat, das Schulkinder vom Schuleintritt bis zum 10. Schuljahr begleitet. Es lädt sie ein, kreativ zu werden, Verantwortung zu übernehmen und zu erleben, wie viel sie selbst bewirken können. In den Jahrgängen 1–4 startet dieses mit dem Kreativunterricht, in den Klassenstufen 5 und 6 dem FREI DAY, in den nachfolgenden Jahrgängen Arbeiten und Wirtschaften sowie Entrepreneurship Education.
Die Idee des FREI DAY entstammt der Initiative Schule im Aufbruch und schult drei essentielle Kompetenzen, die unsere Kinder in einer sich ständig ändernden und komplexer werdenden Welt ihr Leben lang brauchen werden:
– Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE)
– Selbstwirksamkeit
– Verantwortung
In drei Wochenstunden arbeiten Schüler der Jahrgangsstufen 5 und 6 jahrgangsübergreifend in Kleingruppen an eigenen Projekten. In diesen Projekten beschäftigen sich die Schülerinnen mit gesellschaftlichen und ökologischen Herausforderungen, die sich an den 17 Global Goals (SDGs) der Vereinten Nationen orientieren. Sie suchen Antworten auf aktuelle Fragen und entwickeln konkrete Lösungen für ihre Umgebung. Dabei müssen die selbst entwickelten Projekte sowohl Kriterien der Machbarkeit als auch dem Anspruch auf gesellschaftlichen Mehrwert gerecht werden. Die Schüler recherchieren, planen und setzen ihre Projektideen eigenständig um, während die Lehrkräfte in einer unterstützenden Rolle agieren.
Am FREI DAY erleben die Schüler Selbstwirksamkeit und Handlungsfähigkeit, was Hoffnung und Zuversicht für ihre Zukunft fördert. Sie erkennen, dass sie aktiv werden und ihre Umgebung gestalten können. Zudem lernen sie, neue Perspektiven einzunehmen, ihre Problemlösefähigkeit zu entwickeln und eine Bereitschaft für Veränderung und Innovation zu zeigen.
Unsere Schülerinnen und Schüler haben bereits vielfältige Projekte erfolgreich umgesetzt – von Spendenaktionen für verschiedene Vereine über selbst erstellte Aufklärungsmaterialien zu den Nachhaltigkeitszielen wie Podcasts, Freiarbeitsangebote und Videos bis hin zu handwerklichen Arbeiten wie dem Bau von Vogelhäusern und Insektenhotels. Außerdem sind durch dieses Engagement wertvolle, langfristige Kooperationen mit der Gemeinde Emleben, der Gothaer Tafel und dem Kindergarten Emleben entstanden.
Fremdsprachen
Fortgeführt aus dem Grundschulbereich unterrichten wir als Erste Fremdsprache Englisch mit vier Wochenstunden. Als Zweite Fremdsprache bieten wir Spanisch ab Klassenstufe 6 mit einer Wochenstunde an.
Lernbüro
Viermal in der Woche bieten wir in unserer großen Mittagspause von Lehrkräften begleitete individuelle Lernzeit im sogenannten Lernbüro an. Hier kann z.B. in Kleingruppen Lernstoff nachgeholt oder vertieft werden, Vokabeln geübt, sich für Tests vorbereitet, an Präsentationen gefeilt oder Fragen gestellt werden.
Projektarbeiten
Die Arbeit an eigenen Projekten ist ein wichtiger Bestandteil unseres schulischen Lernkonzepts und entwickelt sich über die Jahre schrittweise weiter.
Bereits in der 4. Klasse beginnen die Kinder mit ihrem ersten Forscherprojekt. Dabei erwerben sie grundlegende Kompetenzen im wissenschaftlichen Arbeiten: Sie lernen, Beobachtungen zu machen, Fragen zu stellen, einfache Recherchen durchzuführen und Ergebnisse zu dokumentieren. Diese Phase ist noch stark angeleitet, um Sicherheit im methodischen Vorgehen zu vermitteln und Freude am Forschen zu wecken.
In der 5. Klasse folgt die Forscherarbeit, bei der die Schülerinnen und Schüler ein Thema ihrer eigenen Wahl bearbeiten. Sie formulieren eigenständig Forscherfragen, recherchieren geeignete Quellen, notieren und strukturieren Informationen, verfassen einen eigenen Text und präsentieren ihre Ergebnisse vor der Klasse. So erleben sie den gesamten Prozess einer kleinen wissenschaftlichen Arbeit und werden in ihrer Selbstständigkeit und Ausdrucksfähigkeit gestärkt.
In der 6. Klasse steht die Projektarbeit im Mittelpunkt, die als Gruppenarbeit angelegt ist. Hier berichten die Schülerinnen und Schüler über ein Projekt aus dem FREI DAY, erstellen einen Projektbericht und ergänzen diesen um eine wissenschaftliche Grundlage zu ihrem Thema. Dabei werden die Kompetenzen im wissenschaftlichen Arbeiten weiter vertieft. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Reflexion der Gruppenarbeit und der Stärkung des kooperativen, gemeinsamen Arbeitens.
Medieneinsatz
Die Vermittlung von Medienkompetenz ist uns ein zentrales Anliegen. Dabei geht es nicht nur um die technische Bedienung von Geräten, sondern um einen bewussten, reflektierten und verantwortungsvollen Umgang mit Medien.
Unser Medienkonzept umfasst das kritische Hinterfragen und Bewerten von Medieninhalten, den Aufbau von Wissen über ihre Funktionsweise, die gezielte Nutzung von Medien zur Information, Kommunikation und Unterhaltung sowie das kreative Gestalten eigener Medienprodukte. So entwickeln die Schülerinnen und Schüler ein ganzheitliches Verständnis und lernen, Medien aktiv und sinnvoll einzusetzen.
Ab der 3. Klasse werden grundlegende Kompetenzen vermittelt: Informieren und Recherchieren, Textgestaltung, Fotobearbeitung, Präsentation und Kommunikation. Ab der 5. Klasse vertieft das Unterrichtsfach „Medienbildung und Informatik“ diese Fähigkeiten und führt in Informatiksysteme, Programmierung und Kommunikation in der vernetzten Welt ein.
Wir sind eine smartphonefreie Schule. Das bedeutet, dass alle Schülerinnen und Schüler ihre Smartphones während des Schultages verpflichtend abgeben. So entsteht Raum für Bewegung, persönlichen Austausch und gemeinsames Spielen.
Tagesablauf
06:30 – 07:45 Uhr Frühhort (wenn benötigt)
07:45 – 08:00 Uhr Gleitzeit
08:00 – 09:40 Uhr Freiarbeit nach Montessori
09:50 – 10:35 Uhr Arbeitsphase I: Epoche, Deutsch, Mathematik, Englisch, Sport, Musik, Kunst, Ethik/Religion oder FREI DAY
10:35 – 11:05 Uhr Hofpause
11:05 – 12:40 Uhr Arbeitsphase II: Epoche, Deutsch, Mathematik, Englisch, Sport, Musik, Kunst, Ethik/Religion oder FREI DAY
12:40 – 13:55 Uhr Mittagessen, Mittagspause (Gestalten nach Belieben bei gegenseitiger Rücksichtnahme – Ruhen, Lesen, Spielen), Lernbürozeit
13:55 – 15:30 Uhr Arbeitsphase III: Epoche, Deutsch, Mathematik, Englisch, Sport, Musik, Kunst, Ethik/Religion oder FREI DAY
15:30 – 17:00 Uhr Späthort (wenn benötigt)

